Frankfurter Rundschau über Bahai-Konferenz

Auch in der Presse finden wir Reaktionen auf die Europäische Konferenz in Frankfurt. Die Frankfurter Rundschau (FR) schreibt in ihrer Online-Ausgabe vom 9. Februar von der “Weltreligion im Wartezustand”. Lesen Sie den volläständigen Artikel hier oder bei der FR-Online.
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Weltreligion im Wartestand
Wie die Bahai bei ihrer Regionalkonferenz an der Messe alles zum Guten wenden wollen
VON FELIX HELBIG
Käme es, wie es kommen könnte, das Resultat wäre ein anderes Land, eine andere Welt. Der junge Unternehmensberater, der draußen vor dem Konferenzsaal auf einem der Stehtische lehnt, malt zwei Kurven auf einen Zettel, die eine, die sinkende, zeigt die moralische Entwicklung der Jugend, die andere den Wunsch der Menschen nach Sinnfindung, sie steigt. Es verändere sich was auf der Welt, sagt der Unternehmensberater, ein Kulturwechsel. “Es wird sowieso passieren”, sagt er, “mit dir oder ohne dich. Du hast bloß das Glück, in dieser Zeit zu leben, dabei sein zu können.”
Möglich wär’s. Das Konzept liegt auf dem Tisch. Die Ansatzpunkte, die Probleme dieser Zeit zu lösen, sie sind da. Sie stehen im Fünf-Jahres-Plan der Bahai.
Auf dem Weg zum Weltfrieden
Stephen Birkland steht im Konferenzsaal am Rednerpult, während er spricht zeigen drei große Leinwände sein Gesicht. Birkland ist Amerikaner, ein älterer Herr im dunklen Anzug. Seinen Mund umspielen Züge, die man mögen muss, er könnte Minister sein oder Talkmaster, er wäre bestimmt gut. Birkland ist Mitglied im “Continental Board of Counsellors for North America”, an diesem Samstagmorgen ist er auf die Bühne getreten, um den 4600 Menschen im größten Saal des Congress Center an der Messe zur Halbzeit des Fünf-Jahres-Plans den Stand der Dinge zu erläutern. Es ist eine von 41 weltweit einberufenen Regionalkonferenzen der Bahai. Der Plan ist überall derselbe.
Er handelt von Weltfrieden und der Einheit der Religionen, von sozialer Gerechtigkeit und Wahrheitssuche. Er schreibt keine Hierarchien vor und verbietet keine Lüste. Er verlangt bloß, ein guter Mensch zu sein.
Bahai gilt als die jüngste Religion der Welt, weil sie erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Ihr Stifter ist Baha’u'llah, ein persischer Adelsspross, der 1844 eine Karriere im Staatsdienst verweigerte und sich altruistischen Aktivitäten zuwendete, bis ihm eines Nachts eine himmlische Jungfrau erschien und ihm seine Mission verkündete. Auf seinen Schriften beruht der Glaube von mehr als fünf Millionen Bahai auf der Welt, ein abrahamitischer Monotheismus, in dessen Mittelpunkt die Einheit der Menschheit steht. Das Zentrum der Bahai ist das Universale Haus der Gerechtigkeit in Haifa, ihr deutscher Hauptsitz das Haus der Andacht, ein weißer Sakralbau bei Hofheim im Taunus. Die Bahai versammeln sich dort und rezitieren die Heiligen Schriften aller Weltreligionen, ohne sie zu predigen oder auszulegen.
Wenn es um den Fünf-Jahres-Plan geht, ist das anders. Im Congress Center an der Messe tragen die Bahai bunte Akkreditierungen um die Hälse und bilanzieren für elf mitteleuropäische Staaten den Fortschritt bei Öffnung der Welt für die Einheit der Welt. Sie beraten das Wachstum von regionalen Clustern und diskutieren Strategien und wirken dabei wie die Jahreshauptversammlung einer Aktiengesellschaft. Nur, dass Harmonie, der Name des Konferenzsaals, bei den Bahai wirklich passt.
So ernst die Aufgabe ist, es gibt viel zu lachen bei dieser Regionalkonferenz, manchmal auch über sich selbst. Es gebe diesen Moment, sagt Stephen Birkland, er könne jederzeit kommen, sogar bei so einer Konferenz, da merke man: “Oh my god, I am bahai!” Leider offenbare sich erst danach, was für eine Arbeit das ist.
In der ersten Reihe vor der Bühne sitzt Hans Martin Noltenius, ein Bremer Arzt, der dem deutschen Leitungsgremium der Bahai angehört. Zum Aufbau einer friedlichen Weltgemeinde, erklärt er, müssten Kinder- und Jugendgruppen betreut und Studienkreise organisiert werden, außerdem setzten sich die Bahai in aller Welt für soziale Projekte ein. Es gehe dabei nicht um Bekehrung, sagt Noltenius, “eher um ein Zusammenfließen”. Nach der Prophezeiung Baha’u'llahs breche die aktuell gültige Weltordnung zusammen, “deshalb bieten wir Bahai unsere Struktur als Modell an”.
Das Modell ist einfach und doch schwer, seine Werkzeuge sind ein Weltparlament und eine Welthilfssprache, Abrüstung und Gleichberechtigung. “Dafür müssen wir ganz konkrete Pläne besprechen”, sagt Noltenius. Die Suche der Menschheit nach nicht-materiellen Werten werde stärker angesichts der Krisen und Kriege auf der Welt, darauf gelte es Antworten zu finden. “Wir glauben, dass die Menschen darauf warten, sie dürsten nach Gerechtigkeit.”
Die Bahai sind überzeugt, die Antworten liefern zu können. “Je schlechter die Welt wird”, sagt Birkland, “desto mehr wird der Glaube der Bahai aufsteigen.”
Ständige Suche nach dem Glück
Der junge Unternehmensberater draußen vor dem Konferenzsaal, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist viel unterwegs auf der Welt, arbeitet mal in Frankfurt, mal in London, mal in Hamburg. Die Leere, sagt er, werde überall größer, die Religion des Geldes platze sehr schnell. “Die Menschen stürzen sich auf Obama und Kabbala, ohne viel zu wissen. Die Bahai bieten schöne und verständliche Konzepte für die ständige Suche nach dem Glück.”
Die 4600 Bahai im Konferenzsaal an der Messe teilen sich am Ende der Bilanz in Gruppen auf, nach den Farben ihrer Akkreditierungen. In vielen Workshops diskutieren sie die konkreten Pläne, sie arbeiten hart für das Ziel, für den Plan, das ganze Wochenende hindurch. Samstagabend feiern sie.
Käme es also, wie es kommen könnte, dann entstünde die Welt neu in Frieden und Gerechtigkeit. Die Menschen müssten es nur akzeptieren, müssten ihn akzeptieren, den Fünf-Jahres-Plan der Bahai. Erst in zweieinhalb Jahren gibt es einen neuen.
Quelle: Frankfurter Rundschau (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1672235&)
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